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Mein Chamäleon Oskar und die bedingungslose Liebe

Mein Chamäleon Oskar und die bedingungslose Liebe

Wenn wir etwas lernen wollen, dann ist ein weitverbreiteter Weg, einen Lehrer aufzusuchen. Wir buchen einen Kurs, beginnen eine Ausbildung oder lesen Bücher von sachkundigen Experten ... So habe auch ich vor allem über das Tantra und die Tantramassage gelernt, doch einige Lektionen liefen außerhalb des offiziellen Lehrplans ab.

Eigentlich können wir von jedem Menschen, jederzeit und überall etwas lernen, wenn wir nur offen und lernbegierig genug sind. Jeder Mensch, der uns scheinbar zufällig begegnet, kann uns etwas Wertvolles mitzuteilen haben - oder auch jedes Tier. Von einem solchen Tier möchte ich heute berichten, mein Teilzeithaustier Oskar.

Yogameister und Meditierende

Oskar war das Haustier eines Freundes. Ein Chamäleon, um genau zu sein. Es begab sich vor ein paar Jahren, dass er gemeinsam mit seiner Frau Susanne für einige Wochen eine Palme in meinem Wohnzimmer bezog. Obwohl die beiden augenscheinlich ein Paar waren (das bestätigte sich später, als Susanne schwanger wurde), waren sie nicht besonders herzlich miteinander. Sie kuschelten nie miteinander, hockten meist recht teilnahmslos jeder auf seinem eigenen Ast, blickten sich nie in die Augen und redeten nicht miteinander.

Die ersten Tage war ich sehr fasziniert von diesen wunderschönen charismatischen Tieren, wie sie stundenlang meditierend auf ihrer Palme saßen und dabei geduldig wundersame Yogastellungen einnahmen, in Perfektion. Ich dachte, von diesen Tieren kann ich bestimmt viel lernen.

Liebe mit Bedingungen

Doch bald schon schlug meine Bewunderung in Unmut um. Es war die typische Erfahrung von Hassliebe, jener Liebe, die in Hass umschlägt, wenn sie nicht erwidert wird. Es war diesen Tieren vollkommen egal, wenn ich ihnen zuflüsterte, „Ihr seid wunderschön.“ Es war ihnen egal, dass ich ihnen Futter anbot und für sie sorgte. Ich muss anmerken, dass ich als Veganerin sehr über meinen Schatten springen musste, ihnen lebendige Insekten zu verfüttern. Doch nicht ein einziges Mal wussten diese undankbaren Biester das zu schätzen! Ein schnelles Zuschnappen mit der Zunge, das war´s. Sie versuchten nicht einmal mit mir zu kommunizieren.

Ich hatte bisher Erfahrungen mit Katzen und Mäusen als Haustieren, doch auf diese Erfahrung war ich nicht vorbereitet. Katzen mögen eigensinnige kapriziöse Tiere sein, doch gelegentlich kommen sie vorbei und zeigen Dir schnurrend und schmusend Ihre Wertschätzung. Selbst meine Mäuse kamen mit der Zeit gerne mal in meine Hand zum Kuscheln, kletterten auf mir herum, verstanden, dass ich die großzügige Futter-Überbringerin war und nahmen gerne die Körner aus meiner Hand. Einmal biss mich eine Maus in den Finger, aber das war ein aus Versehen.

Ganz anders Oskar und Susanne. Keinerlei Bedürfnis nach Kontakt; wenn ich die Hand nach ihnen ausstreckte, um sie vorsichtig zu streicheln, war ein giftiges Fauchen die Antwort. Besonders Oscar war sehr aggressiv, Susanne eher lethargisch-gleichgültig.

Die Essenz des Tantras

Ich brauchte ein paar Tage, bis ich im Frieden sein konnte mit dem, was ich verstandesmäßig ja eigentlich wusste: Die beiden können nicht anders, weil sie keine Säugetiere sind. Für die Art von Kommunikation, wie sie mir vorschwebte, fehlte ihnen einfach jeder Sinn, ja schlicht und ergreifend die Fähigkeit.

Zu kuscheln, sich zu mögen oder eben auch nicht, emotionale Verbundenheit, füreinander sorgen - alle diese Dinge sind erst mit einem Säugetiergehirn möglich.

Ich verstand, dass Oskar mein Lehrer war: bedingungslos zu lieben, ohne auch nur die Chance, dass jemals etwas auf dieser Ebene zu mir zurückkehrt.

Ich habe viele Kurse und Ausbildungen zum Thema Tantra und Tantramassage besucht, DVDs geguckt und Bücher gelesen, doch kein Lehrer hat mir so drastisch wie Oskar gezeigt, worum es im Tantra in seiner Essenz geht: bedingungslose Liebe.

Oskar und Susanne wandeln inzwischen nicht mehr auf dieser Erde, doch in meinem Herzen werden sie immer lebendig bleiben, als die liebenswertesten und schönsten Tiere, die es nur geben kann und als weise, wissende Wesen.

 

Bildquelle: Frank Voigt  / pixelio.de

 

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